Rückblick zur Entstehung des Ruppiner Hospizes

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Pflegedienstleiterin Cornelia Kaiser (bis zum 28.02.2006)

„Als ich mich 1998 für eine Hospitation im Ricam Hospiz in Neukölln anmeldete, wusste ich noch nicht, dass ich im Jahre 2001 das Ruppiner Hospiz leiten werde. Im Ricam Hospiz wurde ich an die palliative Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen herangeführt und spürte dabei, dass ich für diese Menschen großes Mitgefühl empfinde und dass es mir nicht schwer fällt, Wünsche und Erwartungen, insbesondere der sterbenden Krebspatienten, zu akzeptieren und zu erfüllen.

Die Motivation, in einem Hospiz zu arbeiten und bei der Gründung mitzuhelfen, bekam ich zusätzlich vom Chefarzt der Inneren Abteilung, Herrn Dr. Dieter Nürnberg. Er ist der Leiter des Onkologischen Schwerpunktes Brandenburg e.V. Dr. Nürnberg machte sich viele Gedanken über die Begleitung der Tumorpatienten, deren Lebenszeit durch Fortschreiten der bösartigen Erkrankung nur noch begrenzt war.

Gleichzeitig überlegte Frau Gabriele Plaasch, Pflegedirektorin der Ruppiner Kliniken, wie eine verbesserte Pflege der Schwerstkranken und Sterbenden auf den einzelnen Stationen und in der Hauskrankenpflege aussehen könnte. Sie machte die Erfahrung, dass vom Pflegepersonal oft über Zeitmangel bei einer intensiven Begleitung der sterbenden Patienten geklagt wurde und dass das medizinische Personal überfordert war. Gemeinsam fingen wir nun an, unsere Gedanken, bezüglich der Hospizarbeit zu sammeln, zu ordnen und gründeten 1999 mit Bürgern des öffentlichen Lebens den Ruppiner Hospiz e.V. In Zeitungsartikeln, bei Gesprächen im Bekannten- und Freundeskreis versuchten wir, Menschen mit dem Hospizgedanken vertraut zu machen, sie zu sensibilisieren und eventuell für eine ehrenamtliche Aufgabe zu gewinnen. Die ersten ehrenamtlichen Mitstreiter meldeten sich im Hospiz und brachten Ideen für Öffentlichkeitsarbeit und Benefizveranstaltungen mit, wie z.B. Basteln, Blumenverkauf bei einem Straßenfest in Neuruppin, kleine Konzerte u.a. Viele Menschen unterstützten uns und boten ihre Hilfe an. Die Notwendigkeit, ein stationäres Hospiz einzurichten, wurde immer deutlicher. Erste häusliche Sterbebegleitungen wurden ermöglicht.

Oftmals stellte ich fest, dass Angehörige nicht ausreichend auf diese unbekannte und problematische Situation vorbereitet waren. Schnell waren sie ängstlich und überfordert. Sie benötigten selbst Hilfe und Zuwendung, viel Zeit und Gespräche. Um für den Kranken und Angehörigen eine Lösung für diese Situation zu finden, erfolgte dann eine Einweisung in die Klinik. Das musste sich ändern, es war keine optimale Lösung.

Der Vorstand des Hospiz Vereins reichte mit großer Zuversicht beim Ministerium unser erstelltes Hospizkonzept ein. Im Land Brandenburg sollten 5 Hospize entstehen. Der Hospizverein in Neuruppin erreichte ein Mandat zum Bau eines stationären Hospizes, welches zum Teil aus Fördermitteln erbaut werden sollte. Damals hatte der Ruppiner Hospiz e.V. erst geringe Finanzrücklagen, sodass wir glücklich waren, dass uns die Ruppiner Kliniken, unter Leitung von Herrn Michael Arndt, eine Übergangslösung auf dem Gelände im Haus S vorschlugen. Mit sehr viel Engagement und Eigeninitiative richteten die zukünftigen Mitarbeiter ihr Hospiz ein. Während wir im Hospiz mit Möbelrücken, Gardinennähen, Gestalten der Wände und Räume beschäftigt waren, kümmerte sich der Vorstand um die vielen bürokratischen Belange, damit unser Hospiz überhaupt existieren konnte. Über öffentliche Ausschreibungen meldeten sich Altenpfleger und Krankenschwestern, die sich ein Arbeiten im Hospiz vorstellen konnten. Gewissenhaft führten wir Gespräche mit den interessierten Mitarbeitern. Unter Einsatz ihrer fachlichen Kompetenzen sowie ihres menschlichen Mitgefühls und der Zuwendungen die das Hospizpersonal den Menschen in den letzten drei Jahren entgegenbrachte, haben sich die Mitarbeiter zu einem festen Team entwickelt, das an einem gemeinsamen Ziel arbeitet und dieses stets neu überdenkt:

DEM SCHWERSTKRANKEN UND STERBENDEN UND SEINEN ANGEHÖRIGEN EIN INDIVIDUELLER BEGLEITER ZU SEIN, WÜNSCHE UND BEDÜRFNISSE ZU BERÜCKSICHTIGEN UND DAS STERBEN WÜRDEVOLL SCHMERZFREI ZUZULASSEN!

Ich wünsche uns weiterhin, dass wir vielen Menschen, die unser Hospiz im eigenen Interesse aufsuchen müssen, eine Herberge sein können, in der sie vertrauensvoll und warmherzig umsorgt werden.“