„Sei offen wie der Himmel und du bist auf dem richtigen Weg“

Anlässlich der Brandenburger Hospizwoche wanderten 10 Hospizinteressierte und ich vom 16. bis 21. Juni 2026 auf dem Wunderblut-Pilgerweg von Neuruppin nach Bad Wilsnack.

Was verbindet Pilgern und Hospizarbeit? Das ist hier die Frage.

Wir Menschen sind alle auf einer Pilgerreise, von der Geburt bis zum Sterben.

Die Pilgerreise ist mal erlebnisreich und interessant, mal anstrengend und erschöpfend.

Begegnungen mit anderen Menschen, mit uns selbst und mit der Natur begleiten unseren Lebens- und Pilgerweg.

Innehalten und Rasten sind neben Durchhalten und Konzentrieren wichtig, um das Ziel zu erreichen.

Wir erkennen und nutzen unsere ganz persönlichen Kraftquellen: Kondition, Wissen und Intelligenz, soziale Kompetenz, Weltanschauungen, Werte sowie Spiritualität und Glaube. Wir besinnen uns darauf im eigenen Leben und in der Begleitung von schwerstkranken, sterbenden Menschen sowie Trauernden.

Die Auszeit aus dem alltäglichen Leben war für uns eine besondere gemeinsame Wegstrecke von etwa 136 km in 6 Tagesetappen. Wir genossen es, ohne Hast und Eile, aber ausdauernd, zu gehen und die Prignitz in der sommerlichen Schönheit zu genießen.

Jede*r von uns ging im eigenen Tempo, aber wir waren auch miteinander redend und aneinander anteilnehmend unterwegs. Viele Gemeinsamkeiten verbinden uns und jedes Gespräch war wertvoll – eben auch wie in der Hospizbegleitung.

Vor dem Aufbruch erhielt jede*r Pilger*in allmorgendlich eine Karte mit zwei bis drei Impulsen, die beim Wandern durchdacht werden konnten. Ein Gebet und ein Pilgersegen vom Herbergsvater, vom Pfarrer oder einer Mitpilgerin gesprochen, ließen uns voll Vertrauen jeden Tagesweg beginnen. Ganz besonders beeindruckt hat uns, mit wieviel Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit uns die Menschen begegnet sind. In den Pilgerherbergen wurden wir auf äußerst nette, ja familiäre Art aufgenommen und erhielten liebevoll vorbereitete Abendmahlzeiten. Beim Frühstück wurden wir aufgefordert, uns Proviant für unterwegs zu bereiten, denn den Vermietern war bewusst, dass wir in den Weiten der Mark Brandenburg unterwegs sein werden, ohne Restaurants oder Lebensmittelläden anzutreffen. Die Menschen, denen wir am und auf dem Weg oder am Rand begegnet sind, waren ausgesprochen freundlich.

Am 20. Juni wurde spätnachmittags das Pilgerziel, die Wunderblutkirche Bad Wilsnack, erreicht und wir durften als Signal, dass Pilger*innen am Ziel sind, die Wunderblutglocke läuten. Als Abschluss der Pilgertour besuchten wir am Sonntag den Gottesdienst in der St. Nicolai Kirche in Bad Wilsnack. Zu unserem Erstaunen begrüßte uns eine Gottesdienstbesucherin mit den Worten „Seid Ihr die Pilgernden, von denen heute im Radio berichtet wurde?“ Das beweist uns, dass das Interesse an der Hospizidee durch unsere Aktion aufrecht erhalten worden ist!

Die Überschrift dieser Zeilen, einer der Tagesimpulse, hat sich als Motto unseres Weges herausgestellt. Diese Offenheit haben wir selbst gelebt und auch in der Begegnung mit den Menschen erfahren.

Ein Rückblick von Renate Schwarz, Koordinatorin Hospiz- und Palliativnetzwerk Landkreis OPR