Die Suche nach dem, was uns in der Tiefe trägt

Der Ruppiner Hospiz e.V. fragte auf einem Thementag nach der Bedeutung von Spiritualität bei der Begleitung kranker Menschen.

Spiritualität - ein modisches Fremdwort, das Karriere machte. Es verstaubt nicht mehr in der Ecke mit den Einkehrreisen oder Yoga-Kursen.

Doch was bedeutet Spiritualität für einen Menschen? Und was kann sie in der Begleitung und Pflege von kranken Menschen bewirken? Diesen Fragen stellte sich der Ruppiner Hospiz e.V. am Mittwoch auf dem Thementag „Ganzheitlich Helfen – Spiritualität in der Kranken- und Palliativpflege“. Dafür fand der Hospizverein auch den passenden Ort: das Kloster Stift zum Heiligen Grabe. Fast hundert Interessierte machten sich auf den Weg dorthin. Bei strahlendem Sonnenschein konnten sich die Teilnehmer im blühenden Klostergarten oder im geheimnisvollen Kreuzgang auf das Thema einstimmen. „Wir bekamen so viele Anmeldungen, dass wir leider Absagen erteilen mussten. Mit einer so breiten und positiven Resonanz hatten wir nicht gerechnet“, berichtete Susanne Hoch, Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes. Die Frage, wie Spiritualität in die Begleitung von kranken und sterbenden Menschen integriert werden kann und wie sie in diesen Grenzsituationen Kraft geben könnte, schien sehr viele Menschen zu bewegen. „Spiritualität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt Geist, Geistlichkeit“, erläuterte Heike Lampe. Die Psychologin versuchte in ihrem Vortrag Worte für einen Begriff zu finden, „der sich nicht in Worte einsperren lässt“, wie sie meinte. Doch nach ihren Ausführungen stimmten ihr viele zu: „Spiritualität bedeutet auf der Suche zu sein“. Was diese Suche nach dem, was uns in der Tiefe trägt, bedeutet, bestimmte Dr. Barbara Kreichelt in ihrem Referat. „Als geistlicher Begleiter helfe ich jemandem, den Weg vor sich zu offen zu legen.“ Wichtig sei dabei, „sich beim Gespräch wirklich in den Menschen einzufühlen, keine Tabus aufzubauen und dem nachzuspüren, was hinter seinen Worten stecken könnte“, erläuterte die studierte Theologin, die in Berlin eine Praxis für Psychotherapie und Supervision hat. In der sonnenverwöhnten Mittagpause konnten die Teilnehmer die einführenden Worte sacken lassen. Danach vertieften Arbeitskreise einzelne Themenbereiche. Angeboten wurde eine Einführung in die christliche Meditation und die Workshops „Seelsorge bei schwer kranken Menschen“, „Mit Kindern über den Tod reden“, „Würde - auch im Tod: Über den Umgang mit dem Leichnam“ und „Abschiedsrituale“.

Bilder vom Hospiztag 2010

Am Ende des langen Tages entließ die Äbtissin Dr. Friederike Rupprecht die Suchenden mit einem Segen. Einige Teilnehmer waren nun sichtlich erschöpft, doch wirkten sehr zufrieden. Wurde nun nur gesucht oder gab es auch etwas zu finden? „Es wurde vielen verständlicher was „Spiritualität“ bedeutet: Eine suchende Lebenseinstellung, bei der sich der Sucher seines göttlichen Ursprungs bewusst ist und eine Verbundenheit mit dem Ganzen spürt. Diese Suche gilt auch bei der Begleitung von anderen Menschen. Ihnen sollte nichts aufgezwungen werden, sondern sie sollten gemeinsam mit dem Begleiter nach den Sinn- und Hoffnungsspuren in ihrem Leben suchen“, fasste Renate Schwarz zusammen, Leiterin des Hospiz Haus Wegwarte in Neuruppin.

Von Katharina Schwarz